30.03.2021

Ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt möchte weiblichen Protagonistinnen der Geschichte zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Das Museum Krems stellt die Ergebnisse der Suche nach Frauenspuren in und um Krems ab 10. April 2021 in einer Ausstellung der Öffentlichkeit vor. Die wissenschaftliche Leitung der Ausstellung liegt bei Edith Blaschitz vom Department für Kunst- und Kulturwissenschaften.

Gedenkkultur im öffentlichen Raum ist nach wie vor von „großen Männern“ dominiert. Die Ausstellung „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“, die von April bis November 2021 im Museum Krems zu sehen sein wird, möchte die Spuren, die Frauen in der Region hinterlassen haben, sichtbar machen. „Kremser Frauengeschichte und die individuellen Leistungen von Frauen haben einfach keine Aufnahme in die Geschichtsbücher und die Erinnerungskultur der Stadt gefunden“, erklärt Ass.-Prof. Dr. Edith Blaschitz vom Department für Kunst- und Kulturwissenschaften der Donau-Universität Krems. Sie zeichnet gemeinsam mit Raumplanerin DI Martina Scherz vom Kulturverein „raumgreifend“ verantwortlich für Idee und Konzeption der Ausstellung. Gezeigt werden die Ergebnisse einer Spurensuche, die bereits im Herbst 2018 begann, und die von der Donau-Universität Krems wissenschaftlich begleitet wurde.

Gemeinsame Spurensuche

Gestartet wurde die Suche nach Kremser Frauenpersönlichkeiten mit dem Public History-Projekt „DenkMal! DenkWÜRDIG?!“. Kremserinnen und Kremser waren aufgerufen, an der Recherche mitzuwirken und ihre Ergebnisse via Online-Portal zu teilen. Gesammelt und dokumentiert wurden im Rahmen des Projekts einerseits die Geschichten jener Frauen, die im öffentlichen Raum in und um Krems ihre Spuren in Form von Straßenbezeichnungen oder Denkmälern Spuren hinterlassen haben, vor allem aber auch solcher Frauen, an deren Geschichten nicht offiziell erinnert wird. „Im Kremser Stadtraum waren zu Projektstart fünf Straßen nach Frauen benannt. Es waren also mehr Straßen einem ‚Josef’ gewidmet als einer denkwürdigen Frau“, beurteilt Martina Scherz die Projektergebnisse.

Nach diesen ersten Nennungen von Frauennamen wurden die Forschungen um Leben, Leistungen und Geschichte der Frauen von Krems intensiviert. Gefunden wurden mehr als 100 Frauen, die in den unterschiedlichsten Bereichen außergewöhnliche Leistungen vollbrachten, darunter Widerstandskämpferinnen, Politikerinnen, Unternehmerinnen, Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen. In der Ausstellung im Museum Krems werden diese außergewöhnliche Frauen nun präsentiert, etwa die Pionierin Maria „Mitzi“ Nahmer, die bereits in den 1920er-Jahren an Motorradrennen teilnahm, die Widerstandskämpferin und Tabakarbeiterin Leopoldine Puhl oder die Forschungsreisende Leopoldine von Morawetz-Dierkes, die nach ihrer Scheidung 1885 begann, Texte zu veröffentlichen – meist unter dem Pseudonym Leo von Dierkes. Theresia Rotter, die ehemals sehr bekannte und heute vergessene Kustodin des Kremser Stadtmuseums, steht im Mittelpunkt des Ausstellungsbeitrags von Künstlerin Iris Andraschek. Die Fotografin Sarah Kindermann, Studentin der Donau-Universität Krems, dokumentierte in eindrucksvollen Portraits die „letzten Tabakarbeiterinnen“, die heute noch in Krems leben.

Darüber hinaus wird in der Ausstellung, die in Kooperation mit der Donau-Universität Krems durchgeführt wird, erstmals die Geschichte und das Alltagsleben der Kremser Frauen rekonstruiert. Die Ausstellung soll ein Startpunkt für die weitere Sichtbarmachung der Kremser Frauengeschichte sein, auch weiterhin können denkwürdige Frauen in die Datenbank des Projekts eingetragen werden.
 

„Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“

Termin:  10. April1. November 2021 (vorbehaltlich etwaiger COVID-19-bedingter Änderungen)
Ort:        Museum Krems

 

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